Bis zum 2. Weltkrieg Nach dem 2. Weltkrieg



Von Kreisbrandmeister a.D. Erich Lunz

Feuer ist wichtig und Lebensnotwendig, solange es geordnet und im Zugriff des Menschen bleibt. Aber wehe es gerät außer Kontrolle, dann muss die Macht des Feuers wieder in seine Bahnen verwiesen werden. Dies erfordert gemeinsame Aktivitäten und eine geordnete Gegenwehr für diese die Feuerwehr zuständig ist.
Sehr viele Männer und Frauen haben sich in den Dienst der guten Sache gestellt. Die Feuerwehr ist eine Organisation, an der sich sehr viele Menschen ein Beispiel nehmen können. Freiwillig und unentgeltlich tun sie in den Feuerwehren ihren Dienst am Nächsten und für die Allgemeinheit. Freiwillig ist dieser Dienst nur beim Ein- und Austritt. Denn alle Übungen und Ausbildungsveranstaltungen müssen, um die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten, regelmäßig besucht werden. Jeder einzelne, der die Feuerwehr benötigt, erwartet einen geordneten und sinnvollen Einsatz. Da hilft es nicht zu behaupten: "Wir sind ja nur freiwillig dabei". Aber trotz all dieser nicht immer leichten Aufgaben, gab und gibt es auch weiterhin Leute, die sich dieser Aufgabe ver- schrieben haben. Sie setzen sich mit all ihrer Kraft ein, um Leben, sowie Hab und Gut ihrer Mitbürger zu schützen.
Besondere Anerkennung verdient, dass diese Einsatzbereitschaft unserer Feuerwehr auch weiterhin besteht, trotz Wegfall der Feuerschutzabgabe.


Gegründet wurde die Freiwillige Feuerwehr Markt Erlbach am 17. Dezember 1871.

Diese Gründung geht aus einem Schreiben, das im Original existiert hervor. Da sich keine uns bekannten weiteren Schriftstücke auf die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Markt Erlbach beziehen, wird dieses Schriftstück als Gründungsurkunde der Freiwilligen Feuerwehr Markt Erlbach betrachtet.
Das Schreiben stammt vom 23.12.1871 und ist von der damals neu gewählten Vorstandschaft aufgesetzt und an die Gemeindeverwaltung Markt Erlbach weitergeleitet worden.
In diesem Schreiben sind der Zeitpunkt der Gründungsversammlung sowie die gesamte neu gewählte Vorstandschaft angegeben.
Unterschrieben wurde vom neu gewählten Kommandanten "Streng", sowie vom Adjutanten "Hausel", dem Obersteiger "Hasselbacher", dem Zeugwart "Claus" und dem Ausschussmitglied Landrichter "Hurt".


Dies war der Start in eine neue Zeit.

In vielen Orten und Gemeinden formierten sich in dieser Zeit die Freiwilligen Feuerwehren. Die damals noch überwiegend bestehenden Pflichtfeuerwehren wurden laut Gesetz von der Gemeindebehörde bestimmt, sowie auch der Wehrführer durch die Behörde ernannt wurde.
Die Freiwilligen Feuerwehren dagegen regelten ihre innere Organisation und ihre Dienstleistungen selbst, soweit diese nicht bereits durch übergeordnete Vorschriften geregelt waren. Die Pflichtfeuerwehren konnten dann, sofern die Freiwilligen Feuerwehren die Erfüllung des Feuerschutzes gewährleisteten, aufgelöst oder in der Freiwilligen Feuerwehr ersatzlos übernommen werden. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr war und ist auch noch in heutiger Zeit ausführendes Organ und führt den Befehl über alle Mitglieder derselben und unter Umständen, falls noch zusätzlich eine Pflichtfeuerwehr bestehen sollte, auch über diese.


Um den damals üblichen Wortlaut etwas verständlicher darzustellen, wurde die Übersetzung aus der deutschen Schrift etwas abgewandelt und lautet wie folgt:

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Markt Erlbach, den 23. Dezember 1871

Wohllöbliche Gemeindeverwaltung
Markt Erlbach


In der am 17. Dezember zuvor, im Saale des Gasthauses "Zum Roß" dahier abgehaltenen Generalversammlung Bezugs Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr wurden den erschienenen 109 Mitgliedern, die und dem provisorischem Komitee entworfen und hier beteiligten Statuten und Dienstvorschriften vorgelesen über jeden einzelnen Paragraphen debattiert und solche schließlich von der ganzen Versammlung einstimmig angenommen.
Da nun hierdurch der Verein der Freiwilligen Feuerwehr als gegründet zu erachten war, so wurde sofort zur Vorstandwahl geschritten, welche folgendes Resultat lieferte:


1. Kommandant
Zimmermeister
Streng
Adjutant
Tagschreiber
Hausel
Obersteiger
Maurermeister
Haßelbacher
Zeugwart
Bäckermeister
Claus
Ausschussmitglied
Assessor
Stürzenbaum
Ausschussmitglied
Kaufmann
Wagner jun.
Ausschussmitglied
Landrichter
Hurt


welche sämtliche die Wahl angenommen haben.

Der unterzeichnete Vorstand bringt nun, da durch die heute erfolgte Wahl eines Kassiers der Verein als vollständig konstituiert zu rechten ist, einer wohllöblichen Gemeindeverwaltung vorstehendes sowie die anliegenden Statuten mit einer dreifachen Bitte in Vorlage:

I. Gründung dieses Vereins der Feiwilligen Feuerwehr Markt Erlbach unter Vorlage der beiliegenden Statuten. Dem Königlichen Bezirksamt Neustadt a.d. Aisch wurde Anzeige erstattet um von dieser Behörde die Bestätigung und die Genehmigung des Vereins zu erwarten.

II. Antrag auf Erlass von ortspolizeilichen Vorschriften die bei Bestand einer Freiwilligen Feuerwehr unumgänglich sind. Beim Ausbruch eines Brandes haben sich die nicht in der Feuerwehr einverleibten Bürger, sowie diejenigen Hausbesitzer, bei welchen ein Brandunglück vorkommen sollte, unbedingt den Anordnungen des Kommandanten oder dessen Stellvertreters unterzuordnen. Auch muss das Verhältnis der Ortspolizei zur Feuerwehr geregelt werden, damit nicht bei Ausbruch eines Brandes Ortspolizei und Feuerwehr einander behindern und in den Wege treten und somit die erspießliche Dienstleistung des Letzteren lähme und abschwäche.

III. Ausrüstung der notwendigsten Mittel, zu stellen von der wohllöblichen Gemeindeverwaltung der nunmehr gegründeten Feuerwehr, damit dieselbe recht bald in den Stand gesetzt werden kann ihre Übungen zu beginnen, um bei einbrechendem Brandunglück ihren Mitbürgern hilfreich zur Seite zu stehen. Es sollen deshalb aller bereits vorhandenen Löschgerätschaften nebst der nötigen Räumlichkeit hierzu eine namhafte Unterstützung aus der hiesigen Gemeindekasse bereits die Summe von 450 Mark.
Günstiger Gewährung dieser Bitte entgegenstehend, zeichnet mit Achtung

Streng, Hausel, Haßelbacher, Claus, Hurt

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Diesem Schreiben wurde durch die Gemeindeverwaltung zum größten Teil entsprochen. Ein Rückschreiben der Feuerwehr erfolgte am 12. Januar 1872 und befasste sich nur noch mit den angeforderten Finanzen.

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Der Ausschuss der Freiwilligen Feuerwehr dahier
ab die
wohllöbliche Gemeindeverwaltung daselbst.

Auf die geehrte Katifilution vom 31. Dezember 1871 die Überweisung der sämtlichen Löschgerätschaften nebst Lokalitäten sowie eines Zuschusses von 200 Mark aus der Gemeindekasse den Verein betreffend wird hiermit von den Unterzeichneten im Namen der Freiwilligen Feuerwehr der wohllöblichen Gemeindeverwaltung der gebührenden Dank ausgesprochen.

Achtungsvoll der Ausschuss

Streng, Claus, Hausel, Hurt, Stürzenbaum, Wagner

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Man sieht aus diesem Schreiben, dass die Gemeinden damals auch sparten. Von den beantragten 400 Mark wurden 200 Mark genehmigt und an die Freiwillige Feuerwehr übergeben.
Wie lange die vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Markt Erlbach bereits bestehende Pflichtfeuerwehr ihren Bestand hatte, kann nicht mehr genau zurückverfolgt werden. Detaillierte Unterlagen wurden nicht mehr aufgefunden. Verschiedene alte Zeitungsberichte weisen aber schon auf Löschgeräte aus sehr alter Zeit zurück. So gibt einen Ausschnitt aus einer Ausgabe des Neustädter Tageblatts aus dem Jahre 1936 bekannt, dass der Bierbrauer Kuhlmann bereits im Jahre 1801 der Marktgemeinde eine vierrädrige Feuerspritze zum Geschenk machte. Auch ein Vertrag aus dem Jahre 1866 über die Beschaffung einer Spritze bestellt bei der Maschinenfabrik J.W. Engelhardt & Co. lässt beweisen, dass eine Pflichtfeuerwehr schon vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr bestand. Weitere Löschgerätschaften wurden gleichzeitig mit dieser Spritze beschafft:

- Schraubenschlüssel
- zwei 5 m lange Wendeschläuche mit Verschraubung
- zwei Wenderohre
- ein Mundstück
- zwei Hölzerne Druckbäume
- 18 lederne elastische Saugschläuche mit Verschraubung und Seiher
- 100 m Hanfschlauch
- zwei weidengeflochtene Seiherkörbe
- ein Rettungsseil 70 m lang
- eine große Axt
- der Zweirädrige Transportwagen

und waren Bestandteile der Beladung. Der Preis der Spritze wurde Damals mit 800 Gulden angegeben. Zusätzlich wurde noch für weitere 200 gulden 500 Stück Hanfschläuche mit Messingverschraubung beschafft.
Ein für die damalige Zeit großes Schlauchpotential.

Längere Zeit wurde dann kein größerer Schriftverkehr in Überlieferungen gefunden.
Ein Alarmplan unbekannten Datums ist trotzdem erwähnenswert:

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Feuerreiterdienst bei ausbrechendem Brande dahier haben nachstehende Pferdebesitzer in folgendem Orte zu machen:

Bogendörfer nach Eschenbach,
Reichel nach Oberulsenbach,
Stein oder Stadtner nach Linden,
Frühwald nach Neuhof.

Feuerläufer sind:

Seifert nach Altziegenrück,
Hufnagel nach Hagenhofen,
nach Wilhermsdorf mittels Telegraph.

Diese eingeteilten Reiter oder Läufer mussten wahrscheinlich die umliegenden Feuerwehren zu Bränden im oder außerhalb des Gemeindegebietes alamieren.

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Nicht erwähnt in den vorhandenen Unterlagen ist der Neubau des Feuerwehrhauses in der Windsheimerstraße im Jahre 1884. Die eingemeißelte Jahreszahl ist aber noch sehr gut zwischen den beiden großen Einfahrtstoren erkennbar.
Heute sind in diesem Haus allerlei Gerätschaften der Markt Erlbacher Vereine sowie die historischen Geräte der Feuerwehr untergebracht.
Aus weiteren Unterlagen geht hervor, dass im Jahre 1885, also bereits in der Zeit nach der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr, eine neue vierrädrige Saug- und Druckspritze beschafft wurde. Die Spritze wurde von der Fa. Christian Braun, Feuerlöschmaschinenfabrik in Nürnberg, zum damaligen Preis von 1350 Mark bestellt.
Die Lieferzeit war verhältnismäßig kurz, nur 8 Wochen. Eine Zahlung von 1000 Mark wurde bei der Übernahme der Pumpe getätigt, der Rest erfolgte 1 Jahr später mit 4 % Verzinsung. Die Feuerlöschfirma gab damals eine Garantie von 2 Jahren an. Bestellt wurde sie vom damaligen Bürgermeister Georg Samuel Dauner.
Diese Spritze, sowie die älteren, bereits in der Pflichtfeuerwehr beschafften Spritzen, sind heute noch vorhanden und würden nach Überprüfung und eventuellen leichten Reparaturarbeiten bestimmt wieder funktionstüchtig sein.
Alle Anträge wurden auch damals immer ordentlich und in der üblichen Form schriftlich verfaßt.
Hier ein Beispiel aus dem Jahre 1888.

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28.07.1888

Vom Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Markt Erlbach

An den Herrn Bürgermeister Claus dahier!

Ich teile Ihnen hiermit ergebenst mit,
dass der Herr Kgl. Bezirksamtmann Morhardt
auf der Bezirksversammlung in Stübach
am 17. Juni den Wunsch äußerte und zur
Beratung brachte, dass fernerhin diejenigen
Feuerwehren, welche in Brandfällen zu Hilfe
gerufen werden, ihre Mannschaft selbst
zu verpflegen haben und zwar aus gemeindlichen
Mitteln. Es wird deshalb die höfliche Anfrage
gestellt ob die verehrliche Gemeindeverwaltung
gesonnen sei, auf diesen Wunsch einzugehen
oder nicht und wird um Nachricht hierüber gebeten.

Hochachtungsvoll
Johann Streng, Kommandant

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Eine Antwort auf dieses Schreiben wurde leider nicht gefunden. Aber es zeigt doch, dass die Bürokratie schon damals, sogar noch mehr wie heute hochgehalten wurde.
Johan Streng, der dieses Schreiben unterzeichnete, war der Sohn, des bei der Gründung gewählten Kommandanten Johan Michael Streng. Beide waren von Beruf Zimmermeister.

Hier nun eine Auflistung aller aus den Unterlagen hervorgehenden 1. Kommandanten:

Bis zum Jahre 1930, also 43 Jahre ist Johann Streng Kommandant der FF Markt Erlbach gewesen. Im Jahre 1935 ist er verstorben. Unser andenken ist ihm gewiss und soll hier in aller Form gewürdigt werden.

Das 25jährige Bestehen wurde am 3. Oktober 1897 im kleinen Rahmen gefeiert. 30 Wehrmänner konnten damals für 25jährige Dienstzeit geehrt werden.
Im Jahre 1907 wurde der Gerätebestand durch Anschaffung einer 12 m Schubleiter und einer Spritze, die im Rathaus untergebracht war erweitert. 1912 ist die Wehr dem "Genesungs- und Invalidenheim" dem heutigen "Feuerwehrerholungsheim in Bayrisch Gmain" beigetreten. Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, konnte der damals zuständige Kommandant Johann Streng nur mit Jugendlichen und alten Männern, wie schon in seinem Lebenslauf erwähnt, die Einsatzbereitschaft der Wehr aufrechterhalten. 10 Wehrmänner kehrten aus dem bis 1918 andauerndem Kriege nicht mehr zurück.
Am 12. Juni 1921 beging unsere Wehr ihr 50jähriges Jubiläum. Die örtlichen Vereine, sowie 19 Freiwillige Feuerwehren bildeten den Festzug. An der Spitze des Zuges wurden die noch12 lebenden Gründungsmitglieder der Feuerwehr in drei Kutschen durch den altehrwürdigen Markt gefahren.
Im Jahre 1938 wurde unter der Federführung von Kommandant Georg Engert der erste Tragkraftspritzenanhänger mit sämtlichen Zubehör und 200 m B-Schlauch zum Preis von 4706,- DM beschafft.

Mit Beginn des 2. Weltkrieges ( 1938 - 45 ) war die Mehrzahl der Wehrmänner eingerückt und viele kamen aus dem Krieg nicht mehr zurück. Von 1942 - 49 sind keinerlei Protokollaufzeichnungen auffindbar. Die Wehr hatte es schwer genug in dieser Zeit eine Einsatzbereitschaft aufrecht zu erhalten.

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